Verfasst von: Reiner Dung | Mai 1, 2014

FRAGEN EINES LESENDEN ARBEITERS

Wer baute das siebentorige Theben? 
In den Büchern stehen die Namen von Königen. 
Haben die Könige die Felsbrocken herbeigeschleppt? 
Und das mehrmals zerstörte Babylon, 
Wer baute es so viele Male auf ? In welchen Häusern 
Des goldstrahlenden Lima wohnten die Bauleute? 
Wohin gingen an dem Abend, wo die chinesische Mauer fertig war, 
Die Maurer? Das große Rom 
Ist voll von Triumphbögen. Über wen 
Triumphierten die Cäsaren? Hatte das vielbesungene Byzanz 
Nur Paläste für seine Bewohner? Selbst in dem sagenhaften Atlantis 
Brüllten doch in der Nacht, wo das Meer es verschlang, 
Die Ersaufenden nach ihren Sklaven. 
Der junge Alexander eroberte Indien. 
Er allein? 
Cäsar schlug die Gallier. 
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich? 
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte 
Untergegangen war. Weinte sonst niemand? 
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer 
Siegte außer ihm? 
Jede Seite ein Sieg. 
Wer kochte den Siegesschmaus? 
Alle zehn Jahre ein großer Mann. 
Wer bezahlte die Spesen? 

So viele Berichte, 
So viele Fragen.

FRAGEN EINES LESENDEN ARBEITERS  von Bert Brecht

🙂

3-5: Arbeit, Geld und Grundeinkommen

[Nachfolgendes Kapitel aus dem Buch „Sklaven ohne Ketten“ ist aus dem Jahr 2009 – für den Amazon-Kindle ist ein aktuelles Update hier erhältlich.]

Das Dreiecksverhältnis von Arbeit, Arbeitsergebnis und Geld ist aus den Fugen geraten, doch die meisten Parlamentarier verstehen das noch nicht, wie sich zeigt, wenn sie mahnen, man könne sich nur das leisten, was man zuvor ver-dient hat, denn ganz so einfach ist der Zusammenhang zwischen Geld und Arbeitsleistung heute nicht.
Das falsche Verständnis beginnt damit, dass der Begriff der Arbeit immer noch bloß als Tätigkeit zum Geldverdienen gesehen wird, als Erwerbstätigkeit oder Produktionsfaktor, und so wichtige Aspekte unsichtbar bleiben. Arbeit gab es aber bereits, bevor das erste Geld geprägt wurde, Arbeit umfasste einmal alle Tätigkeiten, die zur Sicherung des Überlebens und zur Verbesserung der Lebensqualität dienten. Diese Überlegung allein hilft schon, zwischen konstruktiven und destruktiven Tätigkeiten zu unterscheiden, oder zwischen nachhaltigen und nutzlosen Tätigkeiten.

TextAuszüge:

Schon 1904 produzierten in den USA deswegen nur vier Unternehmen 57% aller amerikanischen Industriegüter, und 2005 gehörte nur zehn Banken die Hälfte des ganzen amerikanischen Bankvermögens. Was gar Finanzderivate anbelangt, so waren es 2006 lediglich fünf amerikanische Banken, die 97% aller Derivate der Welt hielten. Diese umfassten ein Vermögen von 681 Billionen Dollar, etwa das zehnfache dessen, was die gesamte Welt an Produkten überhaupt erzeugte, denn das Bruttoinlandsprodukt der ganzen Welt zusammen lag 2006 bei nur rund 66 Billionen Dollar.

🙂

Einzelne werden entlassen, wenn sie vereinbarte Ziele nicht erreicht haben und Abteilungen werden geschlossen, wenn ihre Umsatzrendite nicht reicht. Man meint heute allgemein, dass eine Firma sich umstrukturieren können und sich von nicht profitablen Abteilungen und Mitarbeitern schnell trennen können muss. Und viele der heutigen Gewerkschaften, Interessenverbände der Angestellten und ihre Anwälte sind Befürworter dieser Ansicht. Über den Produktionsfaktor Mensch wird dabei so gesprochen wie über irgendeinen Rohstoff, über Hühner oder Schafe, gerade so, wie die Gutsherren früher über ihre Sklaven sprachen.

Das bekamen in letzter Zeit insbesondere ältere Arbeitnehmer zu spüren. Viele Firmen haben über 50-jährige rigoros aussortiert, weil sie fälschlich meinten, jüngere würden mehr leisten und dabei noch billiger sein. Viele Personalchefs begreifen nicht, dass in den meisten heutigen Berufen jenseits von Fußball, Boxen und Zirkusartistik das Nachlassen von körperlicher Beweglichkeit und Kraft nur mehr wenig Bedeutung hat, während dagegen die Erfahrung weiter kumuliert und in den heutigen wissensbasierten Berufen eher 50- bis 80-jährige die Weltbestleistungen erbringen als 20- bis 50-jährige. Otto Hahn entdeckte die Kernspaltung im Alter von 59 Jahren, Goethe schrieb sein bestes Werk im Alter von 82 Jahren und Picasso malte seine besten Bilder, als er um die 90 war, technisch akribisch ausgeführte Zeichnungen, in denen eine einzigartige Erzähl-freude vorherrschte.

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Das bestehende Wirtschaftssystem protegiert den Besitz von Geld leider in unverhältnismäßiger Weise und hat darüber ein regelrechtes Versklavungssystem etabliert. Ein Versklavungssystem insofern, als dass kein Mensch mehr ohne Geldmittel auskommen kann und in vielen Ländern die Steuerlast so unverhältnismäßig hoch ist, dass ein Zwang zu unverhältnismäßig hoher Arbeitsleistung besteht. Es ist systemimmanent, dass je länger dieses globale Monopoly so weitergespielt wird, einerseits immer mehr Menschen verarmen, während auf der anderen Seite einige Wenige Unsummen anhäufen.

Legt jemand 1 Mio € zu nur 2% an, bezieht er schon ein höheres Einkommen als ein durchschnittlicher Rentner. Und so bringt gut angelegtes Geld leicht mehr Erträge als redliche Arbeit. Für ein überzogenes Konto bekommen Banken zwischen 10% und 20% Zinsen. Anstatt 1 Mio € in einen Betrieb zu investieren und darin zu arbeiten, ziehen es viele deshalb vor, dass Geld lieber einfach zu verleihen oder gewinnbringend anzulegen. So stammen heute schon 1/3 aller Gewinne in den USA aus Geldgeschäften. Da wird überhaupt nichts mehr produziert, aber trotzdem wachsen da Vermögen heran. Und inzwischen investieren die Vermögenden lieber in Aktien und Derivatgeschäften, anstatt realer Arbeit nachzugehen.

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Mit jedem verschossenen Cruise Missile gehen eine halbe Million US $ verloren, ein Wert, für den man in einem Entwicklungsland auch eine kleine Schule bauen kann, und ein einzelnes modernes Kampfflugzeug wie die F-35 kostet 100 Mio $, soviel wie 200 Schulen oder 100 kleine Kliniken oder Forschungsinstitute. Aber den heutigen Regierungseliten gefällt es so, sie gehören ja selbst zu den Reichen, sie wollen keinen Fortschritt der allgemeinen Lebensqualität, die hohe eigene Lebensqualität reicht ihnen völlig. Unsere Eliten wollen lieber eine Welt, in der 1% ungeheuer reich sind, 20% für diese Reichen alles herstellen und die übrigen 80% in Armut leben. Die Arbeitenden sollen den Luxus der Reichen erarbeiten, damit diese dann das Geld zu ihrem Pläsir vergeuden können, damit sie sich Schlösser bauen und Partys feiern können, damit sie ansonsten nutzlose Yachten in Rennen waghalsig kaputt segeln oder jeden Tag aufs Neue hunderttausende Dollars kostende Fahrzeuge in Wagenrennen zu Schrott fahren können. Und wird das Geld in der Zukunft im freien Wettbewerb auch nur noch da investiert, wo es die meisten Zinsen bringt, dann könnte sich die Welt in eine gigantische Industrie von sinnlosen Luxusgütern für wenige Reiche, von Billigstprodukten zur Ruhigstellung der Armen sowie von immer ausgefeimteren Unterdrückungs- und Kontrolltechnologien verwandeln, mit denen die einen die anderen belügen und in Schach halten.

Den ganzen Artikel von Karlheinz Krass lesen:

http://sklaven-ohne-ketten.blogspot.de/2009/03/geld-und-gewinn-wir-konnen-mehr-als.html

🙂

Tag der Arbeit – anno 1890 – Pelzig und Priol

Bananenrepublik1
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Ein Jahr nach dem Unglück von Bangladesch

ARD Mittagsmagazin

Ein Jahr nach dem verheerenden Einsturz einer Kleiderfabrik in Bangladesch steckt der Großteil der Überlebenden weiter in tiefem Elend. Drei von vier der betroffenen Textilarbeiter haben keinen neuen Job, weil sie zu schwer verletzt wurden oder noch zu stark traumatisiert sind.

Die Rana-Plaza-Fabrik am Rande der Hauptstadt Dhaka war am 24. April vergangenen Jahres eingestürzt, 1138 Textilarbeiter kamen in den Trümmern ums Leben. Im achtstöckigen Fabrikkomplex arbeiteten bis zu 5.000 Menschen. Noch kurz vor dem Einsturz des Gebäudes hatten sich viele Arbeiter nach eigenen Angaben geweigert, in die Fabrik zu gehen, weil sie angesichts von Rissen in den Mauern eine Katastrophe befürchteten. Die Fabrikbetreiber antworteten den Berichten zufolge auf diese Sorgen mit Knüppeln – wenig später stürzte das Gebäude ein.
Westen lässt billig produzieren

Zahlreiche westliche Firmen hatten die Billiglöhne genutzt, um in der Fabrik Kleider nähen zu lassen. Für einen von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingerichteten Hilfsfond für die Betroffenen haben die westlichen Firmen bislang 15 der angepeilten 40 Millionen Pfund (29 Millionen Euro) eingezahlt.
Britische Studie: „Überlebende traumatisiert“

Action Aid befragte für eine Studie zum Jahrestag der Tragödie 1436 der insgesamt 2438 Überlebenden. 64 Prozent gaben an, sie litten unter Amputationen, Verletzungen an Kopf oder Gliedern bis hin zu gebrochenen Wirbelsäulen. 24 Prozent litten unter Traumata wie Schlaflosigkeit oder Angst, in geschlossenen Räumen zu arbeiten. Acht Prozent hatten angegeben, Rana-Plaza-Opfern werde gezielt eine Anstellung verweigert, weil die Arbeitgeber befürchteten, sie würden nicht schnell genug arbeiten oder sich gewerkschaftlich engagieren.
Zustände noch immer miserabel

Nach dem Unglück hatte Bangladesch die Gesetze verschärft. Allerdings gebe es bei der Umsetzung noch Probleme, sagte ein US-Regierungsvertreter. Vor allem die Zustände in den Textilfabriken müssten besser beaufsichtigt und kontrolliert werden.
Späte Entschädigung
Am Dienstag hatte es zum ersten Mal Entschädigungszahlungen für die Opfer gegeben. Vize-Arbeitsminister Mujibul Haque Chunnu und Gilbert Fossoun Houngbo von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) übergaben Schecks in Höhe von 50.000 Taka – rund 460 Euro. Insgesamt sollen 3.000 Textilarbeiter oder Angehörige jeweils 50.000 Taka Entschädigung erhalten.
😦
Der Kapitalismus ist natürlich nie die Ursache von irgend etwas. Es ist lediglich das Mittel, das alle unsere Probleme lösen soll. Es gab 1000 Tote bei einem Fabrikeinsturz in Bangladesch. Der Kapitalismus war natürlich nicht die Ursache, sondern der Bauleiter und/oder der Bauherr.

Auch heute sind nur Sparmaßnahmen der EU, der Troika oder der Banken, Staaten oder Eliten, die Ursache, … aber niemals der Kapitalismus an sich. Aufgeklärte behaupten sie hätten das Geldsystem verstanden und wissen immer nicht was Kapitalismus ist. Sie gehen davon aus, dass der Kommunismus sein Gegenteil ist.

Keiner hat es jemals überprüft … Doch wenn alle es behaupten, wird es schon richtig sein!

Heute ist Zeit, Geld! Auch früher war Zeit immer schon Geld. Die angenehmste Zeit ist: Wenn andere arbeiten, während man ihr Geld ausgibt. Das ist Kapitalismus! Jeder will nur Millionär werden, vom Tellerwäscher spricht schon lange keiner mehr. Er ist die unangenehme Folge des Kapitalismus und doch braucht man ihn. Er soll weiterhin hoffen, Millionär zu werden – dann spülen sich die Teller leichter und vor allem für immer weniger Geld.

In diesem Sinne
Euer Politprofiler
http://politikprofiler.blogspot.de/2013/07/zugungluck-in-spanien-es-kommt-nur.html

🙂
Gewerkschaft bei BildDung
https://bilddung.wordpress.com/?s=Gewerkschaft&x=0&y=0
🙂

Georg Schramm – Wir leben in keinem wohlhabenden Land sondern in einem Land der Wohlhabenden

https://bilddung.wordpress.com/2013/05/16/der-zorn-als-instrument-zum-systemwechsel/

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