Verfasst von: Reiner Dung | Januar 26, 2014

WahrNehmung: Sinne beleben

“Nicht einfach wegschauen!”

Durch Eile und Hektik nehmen wir vieles Schönes gar nicht wahr. Hier eine wahre Geschichte:
Ein Mann saß in einer Metrostation in Washington D.C. und begann auf seiner Geige zu spielen. Es war ein kalter Januar Morgen. Er spielte eine halbe Stunde lang sechs Stücke von Bach. Während dieser Zeit in der Rush Hour eilten 1000 Menschen durch die Station – die meisten von ihnen auf dem Weg zur Arbeit.
Drei Minuten vergingen, als ein Mann mittleren Alters bemerkte, dass ein Musiker spielt. Er verlangsamte seinen Schritt und hielt für einige Sekunden an – bevor er wieder davoneilte, um seinen Zeitplan einzuhalten. Ein paar Minuten später erhielt der Geiger seine erste Dollarspende: eine Frau warf das Geld in die Kasse, ohne ihre Schritte zu unterbrechen. Ein paar Minuten später lehnte sich ein Mann gegen die Mauer um zuzuhören. Aber der Mann schaute auf seine Uhr und setzte seinen Weg fort. Eindeutig war er für seine Arbeit spät dran.

Derjenige, der dem Geiger die größte Aufmerksamkeit schenkte, war ein drei Jahre alter Junge. Seine Mutter zog ihn eilig weiter, doch der Junge hielt inne und beschaute sich den Geiger. Letztendlich stieß ihn die Mutter kräftig und das Kind setzte seinen Lauf fort, drehte jedoch ständig seinen Kopf. Dieses Verhalten wiederholte sich bei mehreren Kindern. Aber alle Eltern zwangen sie ohne Ausnahme, sich weiter zu bewegen.
In den 25 Minuten, als der Musiker spielte, hielten nur sechs Personen an und blieben für eine Weile stehen. Ungefähr 20 Leute gaben ihm Geld und setzten ihren Lauf in normaler Geschwindigkeit fort. Er verdiente $32. Als er das Spielen beendete und wieder Ruhe einkehrte, nahm keiner mehr Notiz von ihm.

Keiner spendete Beifall, noch gab es Anerkennung.

Keiner wusste, dass dieser Geiger Joshua Bell war – einer der besten Musiker der Welt. Er spielte einige der schwierigsten Musikstücke, die jemals komponiert wurden – auf einer Geige im Wert von 3,5 Millionen Dollar. Zwei Tage vor seinem Spielen in der Metro verkaufte Joshua Bell bei einem Konzert im Theater in Boston den Sitzplatz für durchschnittlich $100.

Dies ist eine wahre Geschichte.
Das Spielen von Joshua Bell in der Metrostation wurde von der Washington Post organisiert, als Teil eines Sozialexperiments über Wahrnehmung, Geschmack und Vorrangigkeiten von Menschen. Im Konzept steht: “An einem allgemeinen Ort und Umgebung zu einer unpassenden Stunde: Nehmen wir Schönheit wahr? Halten wir ein, um es zu genießen? Erinnern wir uns an das Talent in einem unerwarteten Zusammenhang?”

Wenn wir nicht die Zeit besitzen, anzuhalten und einem der besten Musiker der Welt zuzuhören, der einige der großartigsten Stücke spielt, die je geschrieben wurden … wie viele andere Dinge verpassen wir dann?!

Dank an Netzfrau Doro Schreier für diesen Artikel:
http://netzfrauen.org/2013/10/03/nicht-einfach-wegschauen/
🙂
Stop and Hear the Music

Washington Post
🙂
Pearls Before Breakfast
Can one of the nation’s great musicians cut through the fog of a D.C. rush hour? Let’s find out.
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/04/04/AR2007040401721.html
🙂

Sinne beleben

🙂

Man gibt heut viel Geld aus, für Rüstung und Mond,
obwohl viele ahnen, daß es nicht lohnt.
Es wär’n soviel Dinge auf Erden zu tun,
da hat man kein Geld für, was sagst du nun.

Friß oder stirb, ist heute Parole,
jeder will glänzen, mit anständig Kohle.
Nur wer was hat, wird auch anerkannt,
man ist darum fleißig, im ganzen Land.

Doch irgendwann merkt man, wie leer alles ist,
weil man den Sinn seines Lebens vergißt.
Man studiert Bücher, von Gottes Gesetz,
so müßte man leben, dann gab’s keine Hetz.

Je mehr man sich mit der Thematik befaßt,
erkennt man sein Übel, sinnlos die Hast.
Man kann mit sehr wenig sehr glücklich sein,
und viele Probleme werden dann klein.

Es ist schon sehr komisch, wenn ich bedenk,
was durch mein Handeln, ich hab‘ zum Geschenk.
Ich habe viel Zeit mir Gedanken zu machen,
doch leider hab ich dabei nicht viel zu lachen.

All meine Verse, die ich hab gemacht,
sind sie am Ende von allen verlacht?
Oder hab ich das Glück, vielleicht irgendwann,
daß man mich versteht, und froh ich sein kann?

© Peter Lewicki

🙂

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